Vorlaufkurs

Im Jahr 2002 hat das Kultusministerium so genannte Vorlaufkurse eingerichtet. In diesen Kursen sollen Kinder im Kindergartenalter mit Migrationshintergrund, die über keine oder unzureichende Deutschkenntnisse verfügen, gefördert werden. Die Förderung findet unabhängig davon statt, ob die Kinder einen Kindergartenplatz besuchen oder nicht.

Seit dem Schuljahr 2006/2007 finden an der Grundschule Gießen-West Vorlaufkurse statt. Der Kurs dauert in der Regel von Oktober bis Juni des folgenden Jahres und beginnt kurz nach Schuljahresbeginn. Die Form der Vorlaufkurse hat sich in den Jahren gewandelt. So wurde unter Berücksichtigung von Kindern, Eltern und Kindergarten eine Form gefunden, die sowohl im Rahmen der Schule, als auch im Kindergarten Kontinuität ermöglicht, ohne für die Eltern eine zusätzliche Belastung zu sein. Zurzeit kommen die Kinder an zwei Tagen für jeweils fünf Stunden in die Schule. Der Vormittag ist nach den kognitiven Aufnahmemöglichkeiten der Kinder und ihren kindlichen Bedürfnissen nach Wiederholung, Ritualisierung und Spiel rhythmisiert. Er umfasst neben sprachlichen Phasen in der Gruppe, kleine feinmotorische und den Schuleintritt vorbereitende Arbeitsphasen und Zeit für freies und angeleitetes Spiel. Daneben werden rhythmische und musikalische Aspekte von Sprache durch Lieder, Sprachspiele und Musik unterstützt. Während der Phasen des Spielens besteht die Möglichkeit, sich verstärkt einzelnen Kindern zuzuwenden und diese durch individuelle Maßnahmen zu fördern.

Ziel der Vorlaufkurse ist es, den lernenden Kindern die deutsche Sprache handlungsbezogen nahe zu bringen und ihr Sprachverständnis und ihre Sprachproduktion so zu fördern, dass sie bei Schuleintritt dem Unterrichtsgeschehen folgen und sich mit ihren Mitschülern und Lehrerinnen verständigen können. Die Inhalte basieren auf einer Handreichung des Kultusministeriums und wurden um alltags- und schulrelevante Themen erweitert. Als Basismaterial dient ein speziell für Deutsch als Zweitsprache (DaZ) entwickelter Kurs für Vorlaufgruppen, Vorschulklassen und den Anfangsunterricht aus dem Finken-Verlag, der ohne Schriftsprache auskommt und die Bereiche Hören, Verstehen, Handeln und Sprechen berücksichtigt. So werden folgende Themenkreise bearbeitet: Wir lernen uns kennen, im Klassenzimmer, auf dem Schulhof/ in der Turnhalle, Freunde/Familie, Wohnen, meine Körper, Einkaufen im Supermarkt/Nahrungsmittel, im Straßenverkehr, Kleidung, Jahreszeiten und Tiere.

Der Klassenraum ist entsprechend des Alters der Kinder angepasst und birgt neben einer Vielzahl von Bilderbüchern und Gesellschaftsspielen besonders Spiele zur Sprachförderung, Baumaterial, eine Kinderküche, zeitweilig eine Kaufladen, vielfältiges Mal- und Bastelmaterial und Möglichkeiten zum Rollen- und Handpuppenspiel. Dies soll besonders betont werden, da sich Sprachanlässe vor allem und wie selbstverständlich während des Spiels ereignen und gefördert werden können und dabei die Hemmschwelle des Sprechens vor der Gruppe vermieden werden kann. Hinzu kommen die Aspekte der Handlungs- und Alltagsorientierung, die sowohl spielerisch als auch real nachvollzogen werden, wenn z.B. die Gruppe gemeinsam Einkaufen geht, einen Obstsalat herstellt, Kuchen backt oder den Zoo in Frankfurt besucht.

Die Gruppengröße (10-15 Kinder) ermöglicht eine individuellere Förderung des Einzelnen. Dabei wird zu Beginn des Kurses der Sprachstand mit Hilfe des Marburger Sprachscreenings ermittelt, die sprachliche Entwicklung fortlaufend dokumentiert und dem spezifischen Förderbedarf der Kinder durch die jeweils individuelle Gestaltung des Kurses Rechnung getragen. Hierzu nimmt die Lehrkraft an Fortbildungen teil und engagiert sich in der Vorlaufkurs-AG, die sich unter Leitung der Fachkraft des Schulamts vierteljährlich trifft und austauscht.

Es zeigt sich, dass die Kinder durch die Vorlaufkurse nicht zur beim frühzeitigen Erwerb der deutschen Sprache unterstützt werden, sondern dass ihre Schulfähigkeit insgesamt zunimmt.