Einleitende Gedanken

Ganztagsschule – bereits in den 70er Jahren Modell für mehr Chancengerechtigkeit – gewinnt in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung im Hinblick auf qualitativ hochwertige Bildung und Erziehung,  erforderliche Kompetenzen und Qualifikationen, Potenzialentfaltung durch individuelles und gemeinschaftliches Lernen und Fördern, Heterogenität als Chance, gelingende Inklusion, Zeit für Kinder, Partizipation, soziales Lernen, Familienfreundlichkeit/ Vereinbarkeit von Familie und Beruf etc. angesichts sich verändernder gesellschaftlicher Anforderungen (siehe auch Forschungsergebnisse/ Studien, z.B. PISA, verschiedene Grundschulstudien, StEG, Forderungen des Arbeitgeberverbandes, Jahresgutachten 2013 des Aktionsrates Bildung) – gerade auch im internationalen Vergleich.

Auch unsere Schule ist längst nicht mehr „nur“ Brennpunktschule. Die Durchmischung und Veränderung auch unseres Stadtteiles (alle Berufsgruppen, Bildungs- und soziale Schichten, viele Nationalitäten, unterschiedlichste Familiensituationen,  veränderte Kindheit, neue Medien, ....) stellt immer wieder neue Anforderungen an unsere Schule. Betreuung „irgendwie“ reicht deutlicher denn je nicht aus, eine umfassend konsequente Konzeption von Ganztagsschule mit multiprofessionellen Teams und vielfältigen zielgerichteten Kooperationen, mit einem Pausen- und Mittags- sowie einem entsprechend angemessenen Raum- und Ausstattungskonzept  ist gefragt. Diesem Anspruch versuchen wir in unserem Schulprogramm mit integriertem Ganztagskonzept Rechnung zu tragen. Eine differenzierte Evaluation und ständige Fortschreibung ist daher angesagt und muss garantiert werden.

Beteiligt sind zu jeder Zeit auch alle schulischen Gremien, in denen wir unsere Arbeit beraten, diskutieren und abstimmen. Der derzeitige Stand stellt bereits eine Weiterentwicklung unserer alten Schulprogramme/ Arbeitsgrundlagen dar, befindet sich aber stetig in zwingend erforderlicher Weiterarbeit.

So haben wir gerade in jüngster Zeit – auch durch Beratungsgespräche mit dem für uns zuständigen Schulamt und unserem Schulträger – „Stolpersteine“ entdeckt und diskutiert und sind auf dem Weg, bewährte, erfolgreiche Strukturen auszubauen und zu sichern, aber uns auch im Hinblick auf neue Erfordernisse  weiterzuentwickeln.

Aktuell heißt das für uns, uns der Herausforderung zu  stellen, Bewährtes mit Neuem zu verbinden, damit es uns als langjährig ganztägig arbeitender Schule im Profil 3 gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern gelingt, den Interessen und Bedürfnissen unserer Kinder und ihrer Familien auch weiterhin auf hohem Niveau ganzheitlich und verlässlich gerecht zu werden und für Qualitätssteigerungen offen und flexibel zu sein. So haben wir weiterhin den Anspruch, unseren Schülerinnen und Schülern im gebundenen Ganztag (mittlerweile mehr als zwei Drittel unserer Gesamtschülerschaft) einen rhythmisierten Schulalltag anzubieten mit verlässlichen Strukturen und Ritualen vom Morgen bis zum Nachmittag in entsprechend ganzheitlicher Konzeption und pädagogischer Praxis.

Unsere Gelingensbedingungen und Konzeptbausteine basieren auf der Richtlinie für ganztägig arbeitende Schulen in Hessen mit ihren acht Qualitätsbereichen.

Dabei nehmen wir zunehmend auch unsere Schülerinnen und Schüler, die bei uns eine Halbtagsklasse besuchen, in den Blick und prüfen unsere Angebotsstruktur.

Schon lange profitieren auch sie letztlich von unserem gebundenen Ganztagskonzept in seiner Verlässlichkeit und Ganzheitlichkeit, u.a. aus folgenden Gründen:                                                                              

- Das gesamte Personal der Schule hat Ganztagsschulerfahrung und arbeitet auch    im   Halbtag rhythmisiert und mit dem Anspruch „ Mehr Zeit und Raum für Kinder“,  Weiterentwicklung der Lern- und Aufgabenkultur, etc.                                               

- Gewachsene, gut entwickelte Kooperationen mit Schul- und Jugendhilfeträger, Diakonie im Stadtteil u.a. Kooperationspartnern, gelingende Netzwerkarbeit, z.B. „Soziales Gruppentraining“, kostenpflichtige Ferienbetreuung (Schulträger) für Halb- und Ganztagskinder, feste Einbindung in z.T. gemeinsam entwickelte Angebotsstrukturen,  gegenseitige Unterstützung und Beratung über individuell beste Möglichkeiten für ein Kind und seine Familie, gelungenes Miteinander und Voneinander Lernen, keine Konkurrenz zwischen Halb- und Ganztag, etc.                 

 - Gemeinsame Veranstaltungen, Feste und Projekte, Eltern- und Gremienarbeit.  

Um eine Qualitätssicherung unter all diesen Gesichtspunkten gewährleisten zu können, muss ein breites Spektrum an Erfordernissen im Hinblick auf neue, zukunftsorientierte Kompetenzen (auch bei Lehrkräften und pädagogischen Mitarbeitern, auch schon  in der Ausbildung), im Hinblick auf Lernkultur und Unterrichtsentwicklung, Bildungsstandards, Schulzeit und Rhythmisierung,  Verzahnung von Unterricht und Angeboten, Umgang mit Heterogenität, Selbstverständnis von Inklusion,  Diagnostik, Förderung und Potentialentfaltung, Leistungsbeurteilung, Feedbackkultur, (internationale) Forschungsergebnisse und ihre Nutzung  vermittelt / erfahrbar gemacht, analysiert , umgesetzt und evaluiert und wieder weiterentwickelt werden.

Schulinterne und externe Fortbildungen, Hospitationen, Feedbackgespräche, Beratungen, Fachtagungen und Kongresse regional und überregional werden dafür in Anspruch genommen.

Auch Schulleitung muss sich zwischen ‚Management‘ und ‚Leadership‘ immer wieder neu definieren, sich in ihren Team- und Aufgabenstrukturen weiterentwickeln und eine wertschätzende Schulkultur, eine zukunftsorientierte Lern- und Aufgabenkultur, eine angemessene Kommunikations- und Arbeitskultur in multiprofessionellen Teams mit entsprechenden Gremien, Arbeits- und Steuergruppen implementieren und immer wieder beleben, individuelle und gemeinsame Entwicklung, Identifikation und kritische Distanz, Authentizität ermöglichen und fördern, die eigene Rolle  immer wieder reflektieren und sich dessen bewusst sein, was empirische Forschungsergebnisse längst belegen:                                                                                                            

„Die pädagogische Steuerung von Schule durch die Schulleitung ist ein zentraler Faktor für die Qualität einer Schule … eine gute Schulleitung ist keine hinreichende, aber eine notwendige Voraussetzung für das Gelingen von Schule. Ihre Handlungen und Entscheidungen haben herausragende Bedeutung für die Schule insgesamt und für die einzelnen Akteure.“ (S.G. Huber 2010)

Dabei ist es eine wesentliche Aufgabe von Schulleitung, alle an Schule Beteiligten  „ins Boot zu holen“ und Partizipation und demokratische Teilhabe zu ermöglichen.  Vieles hängt – gerade auch in Bezug auf Haltung, Atmosphäre, Engagement und (Lebens-)Erfolg – davon ab, wie gut dies gelingt.