Lernen mit Kopf, Herz und Hand

Auch unsere Begründung für ein Verständnis von Schule, die mehr sein will als nur ein Unterrichtsort, geht zurück auf Pestalozzi, der die den Menschen auszeichnenden Fähigkeiten in den Anlagen des menschlichen Herzens, in der Fähigkeit des menschlichen Geistes (Kopf) und in der Fertigkeit der menschlichen Kunstkraft (Hand) sah. (vgl. J. H. Pestalozzi, Werke in 4 Bänden, hrsg. Von A. Haller, S. 334, Bd. 3).

Beim Lernen mit Kopf, Herz und Hand begegnen die Kinder der Sache selbst und der Lehrer tritt in den Hintergrund. Er hat vorbereitet, er koordiniert, begleitet und ermöglicht Begegnungen, die der Erfahrungswelt der Kinder entsprechen oder, im Gegenteil, die in der Lebenswelt der Kinder heute fehlen, bedingt z. B. durch zunehmenden Medienkonsum. Gemeinsam mit der ganzen Klasse oder der Stufe werden mit den Kindern Lernorte außerhalb und innerhalb der Schule (z. B. Bauernhof, Ausstellungen, Schulgarten) aufgesucht oder Erfahrungsgegenstände in den Klassenraum geholt, z. B. Raupen, Pflanzen, Kleintiere o.ä.. Die Unterrichtsthemen ergeben sich u. a. aus dem jahreszeitlichen Rhythmus, aus den naturkundlichen, sozialen und historischen Gegebenheiten unserer Umgebung oder aus den verschiedenen Kulturen, Religionen und Herkünften unserer Schüler.
In Unterrichtseinheiten wie „Ägypten“ oder „Indianer“, denen Besuche von Ausstellungen vorausgegangen waren oder eigenen Ausstellungen in der Schule folgten, staunen die Kinder über das technische Können oder die Ethik vergangener Kulturen und Länder.
So lernen sie, Vorurteile gegenüber ausländischen Mitschülern/innen abzubauen. Vielleicht war der Urahn eines Schülers aus Eritrea einmal ägyptischer Pharao?
Hier konnte beobachtet werden, dass es den Schülern/innen großen Spaß macht, den ägyptischen Baugedanken nachzuspüren und Modelle von Pyramiden zu bauen, oder, während der Einheit „Indianer“ durch den Wald zu streifen, trockenes Holz für das Lagerfeuer zu suchen, auf einem Pferd zu sitzen oder Indianerkörbe zu flechten.

Im Schulgarten haben Kinder verschiedene Getreidesorten gesät, im Sommer geerntet und im Herbst „gedroschen“. Aus dem Weizen wurde Mehl gemahlen, daraus Brötchen gebacken, die gemeinsam gegessen wurden. Zu diesem vielfältigen Tun wird immer wieder gelesen, geforscht, geschrieben, gesungen u.a.m.
Auf diese Weise werden die Kinder mit all ihren Sinnen angesprochen. Sie begreifen, lernen und behalten mit mehr Freude und sind zum Schluss stolz auf ihre Arbeit.
Ihr Selbstvertrauen ist gestärkt worden - auch dies ist eines unserer wichtigsten Lernziele (Schlüsselqualifikationen siehe Leitgedanken).

Das Handlungs- und Erfahrungslernen findet dementsprechend Berücksichtigung in der didaktisch-methodischen Weiterentwicklung unseres Unterrichts, z. B. auch in den Arbeits- und Sozialformen.