Inklusion

Seit Beginn der 90er Jahre liegen an der GGW Erfahrungen mit dem Gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Schülern/Inklusion vor. In jeder Jahrgangsstufe wurden seit dieser Zeit SchülerInnen mit allen Förderbedarfen unterrichtet.

An der GGW trifft Inklusion im gesamten Kollegium auf breite Akzeptanz. Eine weitere wichtige Voraussetzung für das Gelingen von inklusivem Unterricht, ist das gut zusammenarbeitende, nicht konkurrierende Team der unmittelbar beteiligten Lehrkräfte. Starre Rollenzuweisungen werden dadurch aufgehoben. Beide Lehrer sind in gleichem Maße für alle Schüler zuständig und verantwortlich. Es herrscht  weitest gehende Übereinstimmung in allen didaktischen und methodischen Fragen und in Fragen des Unterrichtsstils, wobei dies eine unterschiedliche Wahrnehmung und Bewertung von Schülern nicht ausschließt. Ein fachlicher Austausch (des Teams) darüber und ein daraus folgendes differenziertes Unterrichtsangebot im Klassenverband, kommen daher nicht nur den lernschwachen, sondern auch den lernstarken Schülern zugute.

Dem Argument, Inklusion würde ein Absinken des Lernniveaus bewirken, muss deshalb entschieden widersprochen werden. Im Gegenteil: Inklusion muss immer mit einer noch genaueren Aufbereitung der Lerninhalte einhergehen, was letztendlich allen Schülern zu besserem Verständnis und zu gesicherten Einsichten verhilft. Hier fließen didaktische Ansätze mit ein, die für den Bereich der Förderschule entwickelt wurde, wie etwa der Ansatz für den Mathematikunterricht von Prof. R. Kutzer. Dieser Ansatz wurde an unserer Schule weiterentwickelt. Es liegt sowohl ein eigenes Rechenbuch, als auch begleitende selbstentwickelte Software vor, die weiteres Übungsmaterial für alle Schulrechner liefert.

Die Erfahrungen mit dem Gemeinsamen Unterricht an der Grundschule Gießen-West zeigen, dass sich Inklusion auf alle Schülerinnen und Schüler positiv auswirkt.

Unser Ziel ist es, dass Inklusion / Gemeinsamer Unterricht  als fester Bestandteil unserer schulischen Arbeit in allen Jahrgangsstufen etabliert bleibt, um die bisherige Arbeit und die Erfahrungen weiterentwickeln zu können.

Um noch einmal den integrativen Auftrag der Schule deutlich zu machen, zitieren wir aus der Salamanca-Erklärung von 1994. Diese UNESCO-Erklärung wurde auch von der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnet:

 

„...dass Regelschulen mit dieser integrativen Orientierung das beste Mittel sind, um diskriminierende Haltungen zu bekämpfen, um Gemeinschaft zu schaffen, die alle willkommen heißen, um eine integrierende Gesellschaft aufzubauen und um Bildung für Alle zu erreichen, darüber hinaus gewährleisten integrative Schulen eine effektive Bildung für den Großteil aller Kinder und erhöhen die Effizienz sowie schließlich das Kosten-Nutzen-Verhältnis des gesamten Schulsystems.“

 

Wir sind nicht der Meinung, dass jedes Kind mit einer Behinderung integriert werden kann. Hier muss – auch hierzu konnten wir Erfahrungen sammeln – in jedem Fall einzeln entschieden werden. Für die Kinder aber, die in Integrationsklassen gefördert werden können, muss dieser Weg offenstehen.

Darüber hinaus weisen viele unserer Schülerinnen und Schüler Entwicklungsverzögerungen im sozial-emotionalen, sprachlichen, motorischen und sensorischen Bereich auf, die es zu erfassen und mit  gezielten Fördermaßnahmen abzubauen gilt. Ein Großteil der zu beobachtenden Lern- und Verhaltensauffälligkeiten resultiert dabei aus problematischen äußerlichen Bedingungen und inadäquaten Beziehungserfahrungen.

Die sonderpädagogischen Fördermaßnahmen sind präventiv auf die Verhinderung von Förderschulbedürftigkeit ausgerichtet. Ihr Ziel ist, fehlende Lernvoraussetzungen auszugleichen, Lernblockaden abzubauen und die betreffenden Schüler soweit zu stabilisieren, dass ihnen ein unterrichtsbezogenes Verhalten möglich wird.

Der Schwerpunkt der Arbeit verlagert sich zunehmend in den Bereich Erziehungshilfe, es besteht enge Zusammenarbeit mit der Gemeinwesenarbeit  und mit der AGGAS. So gilt es Kommunikationsformen anzubahnen, die als befriedigend erlebt werden können. Voraussetzung dafür ist, dass die Kinder in ihrer Selbst- und Fremdwahrnehmungsfähigkeit gefördert werden, ihre Frustrationstoleranz und Konfliktfähigkeit erweitert wird und ihre Bereitschaft zu einem verständnisvolleren Umgang miteinander geweckt wird. In überschaubaren sozialen Lernfeldern (z. B. Kleingruppen/Tigerpalast) lernen sie, Verantwortung  für ihr Handeln zu übernehmen und ihre Interessen und Bedürfnisse anderen gegenüber zu vertreten.

Unser Förderkonzept versteht sich ganzheitlich und handlungsorientiert. Auf isolierte Maßnahmen, die sich nur an den Defiziten der Schüler/Schülerinnen orientieren, wird bewusst verzichtet.

Bei vielen Schülern werden durch enge Kooperation mit den Eltern, Ärzten, Jugendamt, Sozialzentrum und verschiedenen therapeutischen Einrichtungen zusätzliche Fördermaßnahmen (Spiel-, Bewegungs-, Logo-, Ergo-, Familientherapie, etc.) veranlasst. Nach Möglichkeit wird versucht, die Eltern für die schulischen Probleme ihrer Kinder zu sensibilisieren und sie bei der Förderung zu Partnern zu machen.

Nach Rücksprache mit den Förderschullehrkräften werden dann Möglichkeiten der Förderung festgelegt und bei Bedarf fortwährend neu angepasst. Die Sonderpädagogische Förderung kann sowohl im Klassenverband, in der Kleingruppe und in der Einzelsituation erfolgen.